Kompromisse Eingehen

Seien Sie zu Kompromissen bereit

Führende amerikanische Paarpsychologen (Jacobson (1992); Jacobson und Christensen (1996)) haben darauf hingewiesen, dass bei störenden Aspekten in der Partnerschaft nicht immer die Veränderung im Vordergrund stehen sollte, sondern häufig das Akzeptieren angemessener und zielführender ist. Mit Akzeptieren ist allerdings weder die Billigung des negativen Zustandes oder der Beziehungskrise gemeint, noch die Resignation (dass man ohnehin nichts mehr ändern könne und alles hoffnungslos sei), sondern die Fähigkeit eines Paares, (a) Probleme als Vehikel für mehr Intimität und Nähe zu sehen, indem das Problem als „gemeinsamer Feind“ definiert wird und (b) die Einsicht, dass Unterschiede zwischen den Partnern bestehen können, ohne dass diese als unzumutbar und destruktiv angesehen werden und konstante Quelle von Spannungen sein müssen.

Unterschiede zwischen den Partnern sind normal und brauchen nicht eine ständige Quelle von Konflikten und Auseinandersetzungen zu sein, in deren Folge jeder versucht, den anderen zu verändern und zu dominieren.

 
Der beharrliche (und häufig vergebliche) Versuch, den Partner nach seinen Vorstellungen verändern zu wollen, schafft nicht nur eine Reihe von Misserfolgserlebnissen, sondern führt häufig zu Verhärtungen der Positionen der beiden Partner, zu verstärktem Widerstand und Ablehnung. Jeder Partner glaubt, sich dem anderen gegenüber behaupten zu müssen und bei einem Nachgeben als Verlierer dazustehen.

Meistens ist dabei nicht das Partnerverhalten selber das Problem, sondern die damit einhergehenden Interpretationen, Anschuldigungen und das fehlende Verständnis.

 Unterschiedliche Bedürfnisse

Partnerschaftsprobleme sind häufig Ausdruck von unterschiedlichen Bedürfnissen, welche als solche legitim sind und auch von beiden Partnern akzeptiert werden können, wenn sie nicht auf Kosten des einen gehen und als zulässig interpretiert werden.

Durch die Akzeptierung dieser Ausgangslage (und damit dem Aufgeben des Wunsches, den anderen verändern zu wollen) findet paradoxerweise in den meisten Fällen die gewünschte Veränderung statt. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass derjenige Partner, der so akzeptiert wird wie er ist, sich selber bereitwilliger verändert, da dies nun ohne äußeren Druck geschehen kann und mit keinem Gesichtsverlust oder dem Gefühl des Nachgebens oder Unterlegenseins verbunden ist.

Gleichzeitig verändert sich die Erwartungshaltung beim umzufriedenen Partner, wenn er/sie nicht mehr versucht, den anderen zu verändern.

Das Akzeptieren von Verhaltensweisen des Partners bezieht sich allerdings nur auf solches Verhalten, das nicht den Selbstwert oder die Integrität des anderen beeinträchtigt oder mit Gewalttätigkeit verbunden ist.

Um das Akzeptieren des Partners/der Partnerin und seines/ihres Verhaltens zu ermöglichen, können folgende Strategien eingesetzt werden:

(a) Empathie (sich in den anderen hineinzuversetzen versuchen) und Toleranz,
(b) Entflechtung des Problems von der Partnerschaft,
(c) Erhöhung von mehr Selbstpflege und Aufbau eigener Aktivitäten.