Beziehungskrisen bewältigen


Muss man etwas für die Beziehung tun oder regelt sich alles von selbst zum Guten?

Beziehungskrisen sind kein unbeinflussbares Schicksal, sondern können verhindert und bewältigt werden. Es ist allerdings wichtig, dass man
 

(a) Beziehungskrisen rechtzeitig erkennt,
(b) die Einsicht hat, dass man selber etwas aktiv dagegen tun kann und
(c) das Richtige tut.

In unserer eingangs vorgestellten, an über 300 17-jährigen Jugendlichen durchgeführten Untersuchung zu Liebe und Partnerschaft fragten wir die jungen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, was es ihrer Meinung nach braucht, damit die Liebe langfristig erhalten werden könne. An erster Stelle wurde Treue genannt, gefolgt von Kompetenzen und dem Interesse füreinander. Damit haben die Jugendlichen exakt die wichtigsten Themen genannt, die uns die Forschung der letzten Jahre als bedeutsam nahelegt.

Interessant aber bedenklich ist dagegen, dass 33% meinten, dass selber nicht viel getan werden müsse, da sich alles von selber richtig und gut ergeben werde. Diese hinieinung ist damit immer noch bei jedem dritten Befragten feststellbar – und diese fatalistische Haltung ist gefährlich.

Danach befragt, ob Beratung oder Präventionskurse für Paare sinnvoll -oder notwendig seien, gaben 23% an, dass Beratung nicht notwendig sei, 38% meinten, dass sie vielleicht notwendig und lediglich 21% waren der Ansicht, dass sie notwendig oder sehr notwendig wäre. Bei der Frage nach dem Sinn von Präventionsangeboten sah es ähnlich aus. 35% meinten, dass solche Angebote nicht sinnvoll seien, 36% sahen einen gewissen Sinn darin, jedoch lediglich 14% nannten solche Kurse als sinnvoll oder sehr sinnvoll zur Verhinderung einer Verschlechterung der Partnerschaft. Damit zeigte sich bei den Jugendlichen dieselbe Unkenntnis der Bedeutung der Prävention von Beziehungsstörungen wie auch bei erwachsenen Paaren.

Noch immer herrscht die Irrmeinung vor, Liebe müsse nicht gepflegt werden. Dabei zeigt die Forschung ein deutlich gegenteiliges Bild.

 

In einer im Jahr 1997 durchgeführten Untersuchung an 254 Familien ergab, dass 90% der untersuchten Paare angaben, Probleme lieber alleine lösen zu wollen und 75% meinten, die Einmischung von anderen in ihre Partnerschaft sei nicht wünschenswert. Ein Drittel der befragten Paare zeigte explizit kein Interesse an Präventionskursen. Die Männer lehnten solche Angebote zudem deutlich stärker ab als die Frauen. Interessanterweise bejahten jedoch 53% der befragten Paare die Inanspruchnahme von Therapien oder professioneller Beratung im Falle von gravierenden Schwierigkeiten.

Hilfe wird häufig erst dann in Anspruch genommen, wenn die Probleme bereits akut und gravierend sind. Es fehlt das Verständnis, dass auch in der Partnerschaft das Vorbeugen von schwerwiegenden Konflikten günstiger ist als reparative Maßnahmen.