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Mittwoch, 17. August 2011, 23:28

was wird aus der Zeit die uns formt, wenn wir sie nicht formen

mit sechzehn Jahren habe ich noch gedacht, es kann doch eigentlich nicht
sein, das ich mich in die erste Frau verliebe, die näher als bis auf
Armeslänge an mich heran gekommen ist und dann bei ihr bleiben werde.
Heute, mit 34 Jahren bereue ich nicht die Vergangenheit. Ich habe immer
viel in die Liebe, in die Beziehung investiert. Und ich habe auch immer
viel wieder bekommen. Doch die Zeit hat uns zwei Menschen neu geformt,
anders und meistens sich selbst grade nicht so, wie es der Wunsch einer
anderen Perspektive aus vergangenen Zeiten gewesen wäre.

Wer könnte heute noch in den Spiegel blicken und von sich sagen, genau
das habe ich mir mit sechzehn auch gedacht. Ein Leben in einer fast zwei
Jahrzehnte anhaltenden Beziehung. Mit all seinen Höhen und Tiefen. Mit
seinen lachenden Augen und tränenden Gesichtern, mit all seinen
Verdrehungen und Verirrungen, Verwandlungen und Verwirrungen.

Es gibt Anlass froh zu sein, darüber das du nie alleine gewesen bist, in
all den Jahren, in denen wir treu für einander eingestanden sind. Ohne
Ring am Finger, den wir beide als Gefangenschaft verachten und stets
weit von uns wiesen. Nein, wir glaubten nicht daran das die
gesellschaftlich akzeptierte Form von Gegenseitigkeit mit einem Ring am
Finger deutlich gemacht werden müsste. Wir tun es auch heute nicht. Kein
Ring soll uns knechten, das soll die Welt wissen. Die Freiheit gehört
uns!

Doch was bringt uns die Freiheit wenn wir in ihr zusehends trauriger
werden. Denn etwas fehlt. Es ist nicht der Wunsch der fehlt, sondern der
Gedanke ohne Vater. Wir lassen uns treiben und verlieren viel auf
dieser See, ohne ein erkennbares Ziel. Wofür machen wir das alles, das
haben wir uns oft gefragt und genau so oft haben wir es uns beantwortet.
Für uns. Für uns ganz alleine. Denn es gibt nicht mehr viele,
vielleicht sogar keine Menschen mehr, denen man vertrauen schenken kann,
ohne dafür einen Haufen Hinterhältigkeit mit auf sein Floß packen zu
müssen und das in schweren Zeiten wo jeder mithelfen müsste, das Boote
ihre Ziele erreichten.

Stattdessen sahen wir das Licht von Leuchttürmen, die nur in die See
gebaut wurden, um uns zum kentern zu bringen. Wir haben sie alle elegant
umschifft und haben aufs neue Mut gewonnen, die zweite Luft haben wir
uns geholt. Es ging immer vorwärts, immer drängender, irgendwohin,
selbst das Nirgendwo schien gut genug. Es hat Spaß gemacht, ja wir waren
jung und ja wir wurden älter, ja wir waren dumm und ja wir wurden
weiser. Aber was bringt uns die gewonnene Weisheit, wenn unsere Herzen die
Leidenschaft der See nicht mehr spüren. Wenn Wellen nur noch an uns
vorbeiziehen wie alte Bekannte, ohne uns zu grüßen, weil sie uns
abgeschrieben haben.
Wenn unsere Welt nur noch aus inniger Freundschaft zueinander besteht.
Wir nicht einmal mehr zärtlich sein können.

Sind wir dann selbst nur noch alte Bekannte,
oder ist unser Licht
nur im Dunkel der See
verloren gegangen?
Ich bin traurig und verstehe nicht mehr warum.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Seelenruf« (17. August 2011, 23:43)


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