Liebesstil
Gerade in Sachen Liebesbeziehungen spielen Prägungen vonseiten der Bezugspersonen eine große Rolle. Unser Gehirn hat schwammartig die Umweltverhältnisse vor Jahrzehnten buchstäblich aufgesaugt. Die spezielle Art, wie wir mit unserem Partner im Allgemeinen jetzt und hier umgehen, in Stresssituationen im Besonderen, kommt daher nicht von ungefähr. Kurz gesagt: Liebesbeziehungen sind meistens ein Spiegel kindlicher Erfahrungen.
Meistens verinnerlichen wir den Beziehungsstil unserer Erzieher. Der bekannte Kinderpsychiater und Psychoanalytiker JOHN BOWLBY hat hierzu Studien durchgeführt, die weltweit Beachtung gefunden haben und häufig bestätigt wurden. Er hat drei grundlegende Bindungsstile bei Erwachsenen und Kinder erkannt und ausführlich dargestellt:
a) den sicheren
b) den unsicher-vermeidenen und
c) den unsicher-ambivalenten Bindungsstil
Es ist natürlich verkehrt, den eigenen Liebesstil mal grob zu analysieren. Schließlich ist er den meisten Menschen gar nicht bewusst, aber durchaus an gewissen Partnerschaftskonflikten beteiligt.
Bei diesem Unternehmen können folgende Fragen erkenntnisreich sein, sie sind jeweils an einen speziellen Beziehungsstil angelehnt (natürlich nur im Ansatz). Denken Sie doch mal an einige Ihrer früheren Beziehungen, die Sie bis dato erlebt haben. Lassen Sie folgende Statements mal auf sich wirken:
1. Mir ist es bisher immer leicht gefallen, intime Beziehungen einzugehen. Ich hatte eigentlich nie Angst vor intensiver Nähe, sondern Ließ alles auf mich zukommen. Auf der anderen Seite war und ist mir extreme Verlustangst fremd. Ich hatte stets meinen Freiraum, ging mehrmals in der Woche alleine meinen eigenen Interessen nach. Meinem Partner war das recht. Eifersucht war selten ein Thema, alles halb so wild. Abhängig fühlte ich mich vom Anderen nicht, und umgekehrt.
- Diese Einstellung spricht für das Vorhandensein des sicheren Bindungsstils
2. Ich fühlte mich bisher am wohlsten, wenn die Beziehung nicht zu eng wurde. Mit jemandem zusammenziehen, nein, das war eher nicht mein Ding. Ich kapsele mich lieber ein bisschen ab, innerlich und äußerlich. Ich finde man sollte nicht zu sehr klammern, wenn man verliebt ist. Bisher hatte ich häufig das Gefühl, der Andere wollte zu viel Nähe. So ganz vertrauen konnte ich meinen Ex-Partner bisher nicht.
- Diese Aussage hängt mit dem unsicher-vermeidenden Bindungsstil zusammen.
3. Wenn ich meine Beziehung Revue passieren lasse, denke ich vor allem an eins: Achterbahnfahren. Mein Partner hat mich oft eifersüchtig gemacht, weil er nicht oft genug in meiner Nähe war. Ich brauche auch heute noch sehr viel Nähe. Am liebsten ist es mir, wenn ich mit dem Anderen verschmelzen kann. Ich habe mir schon oft Sorgen gemacht, ob er genauso empfindet wie ich.
- Eine solche Auffassung ist vereinbar mit dem unsicher-ambivalenten Stil
Welche Erfahrungen stecken meistens hinter den einzelnen Stilen? BOWLBY kam durch seine Studie zu dem Schluss, dass Partner, die einen sicheren Bindungsstil repräsentieren, von Geburt an ein positives Selbstbild konstruieren, was durch ein vertrauens- und liebenswürdiges Umfeld begünstigt wird. Auf der anderen Seite kann fehlende Aufmerksamkeit vonseiten der Eltern über einen längeren Zeitraum hinweg oder gegenteiliges Verhalten ( zu viel erdrückende Nähe) möglicherweise dazu führen, dass man im Erwachsenenalter eher “Beziehungen mit eingebauter Abstandsgarantie” bevorzugt. Zu guter letzt kann ein ambivalenter Erziehungsstil (sprunghaft, widersprüchlich, unberechenbar) einen entsprechenden Bindungsstil aufseiten des Kindes entstehen lassen
Es ist nachvollziehbar, dass der unsicher-vermeidende und unsicher-ambivalente Bindungsstil Glücksbremsen sind und die Partnerschaft belasten können, sprich: den Betreffenden selbst und den Anderen unter Stress setzen. Denn man hinterfragt ja nicht die eigenen Ansprüche, sondern “merkt nur”, dass der Andere sich nicht richtig verhält.
Das heißt,
-der unsicher-vermeidende Part regt sich permanent darüber auf, dass das Gegenüber zu viel Nähe will
-der unsicher-ambivalente Gefährte hat immer Angst, sein Partner würde ihn aus heiterem Himmel verlassen, sobald nicht ein hohes Maß an Nähe vorherrscht.
Und jetzt stelle man sich einmal eine Beziehung vor, in der mindestens einer der beiden unsicher gestrickt ist, entweder ambivalent oder vermeidend. Wie viele Abende streitet man über das “richtige” Maß an Nähe und Distanz? Viele Stunden an Lebenszeit verlaufen gelinde gesagt unglücklich, und das eigentliche Dilemma - die eigene Prägung - dabei: dauerhaft unklar. Ein entsprechendes Aha Erlebnis wäre sehr hilfreich: Der Betreffende würde erkennen, dass das “Problem” (und natürlich die Lösung des Problems) nicht ausschließlich nur beim Anderen liegt.
Meistens verinnerlichen wir den Beziehungsstil unserer Erzieher. Der bekannte Kinderpsychiater und Psychoanalytiker JOHN BOWLBY hat hierzu Studien durchgeführt, die weltweit Beachtung gefunden haben und häufig bestätigt wurden. Er hat drei grundlegende Bindungsstile bei Erwachsenen und Kinder erkannt und ausführlich dargestellt:
a) den sicheren
b) den unsicher-vermeidenen und
c) den unsicher-ambivalenten Bindungsstil
Es ist natürlich verkehrt, den eigenen Liebesstil mal grob zu analysieren. Schließlich ist er den meisten Menschen gar nicht bewusst, aber durchaus an gewissen Partnerschaftskonflikten beteiligt.
Bei diesem Unternehmen können folgende Fragen erkenntnisreich sein, sie sind jeweils an einen speziellen Beziehungsstil angelehnt (natürlich nur im Ansatz). Denken Sie doch mal an einige Ihrer früheren Beziehungen, die Sie bis dato erlebt haben. Lassen Sie folgende Statements mal auf sich wirken:
1. Mir ist es bisher immer leicht gefallen, intime Beziehungen einzugehen. Ich hatte eigentlich nie Angst vor intensiver Nähe, sondern Ließ alles auf mich zukommen. Auf der anderen Seite war und ist mir extreme Verlustangst fremd. Ich hatte stets meinen Freiraum, ging mehrmals in der Woche alleine meinen eigenen Interessen nach. Meinem Partner war das recht. Eifersucht war selten ein Thema, alles halb so wild. Abhängig fühlte ich mich vom Anderen nicht, und umgekehrt.
- Diese Einstellung spricht für das Vorhandensein des sicheren Bindungsstils
2. Ich fühlte mich bisher am wohlsten, wenn die Beziehung nicht zu eng wurde. Mit jemandem zusammenziehen, nein, das war eher nicht mein Ding. Ich kapsele mich lieber ein bisschen ab, innerlich und äußerlich. Ich finde man sollte nicht zu sehr klammern, wenn man verliebt ist. Bisher hatte ich häufig das Gefühl, der Andere wollte zu viel Nähe. So ganz vertrauen konnte ich meinen Ex-Partner bisher nicht.
- Diese Aussage hängt mit dem unsicher-vermeidenden Bindungsstil zusammen.
3. Wenn ich meine Beziehung Revue passieren lasse, denke ich vor allem an eins: Achterbahnfahren. Mein Partner hat mich oft eifersüchtig gemacht, weil er nicht oft genug in meiner Nähe war. Ich brauche auch heute noch sehr viel Nähe. Am liebsten ist es mir, wenn ich mit dem Anderen verschmelzen kann. Ich habe mir schon oft Sorgen gemacht, ob er genauso empfindet wie ich.
- Eine solche Auffassung ist vereinbar mit dem unsicher-ambivalenten Stil
Welche Erfahrungen stecken meistens hinter den einzelnen Stilen? BOWLBY kam durch seine Studie zu dem Schluss, dass Partner, die einen sicheren Bindungsstil repräsentieren, von Geburt an ein positives Selbstbild konstruieren, was durch ein vertrauens- und liebenswürdiges Umfeld begünstigt wird. Auf der anderen Seite kann fehlende Aufmerksamkeit vonseiten der Eltern über einen längeren Zeitraum hinweg oder gegenteiliges Verhalten ( zu viel erdrückende Nähe) möglicherweise dazu führen, dass man im Erwachsenenalter eher “Beziehungen mit eingebauter Abstandsgarantie” bevorzugt. Zu guter letzt kann ein ambivalenter Erziehungsstil (sprunghaft, widersprüchlich, unberechenbar) einen entsprechenden Bindungsstil aufseiten des Kindes entstehen lassen
Es ist nachvollziehbar, dass der unsicher-vermeidende und unsicher-ambivalente Bindungsstil Glücksbremsen sind und die Partnerschaft belasten können, sprich: den Betreffenden selbst und den Anderen unter Stress setzen. Denn man hinterfragt ja nicht die eigenen Ansprüche, sondern “merkt nur”, dass der Andere sich nicht richtig verhält.
Das heißt,
-der unsicher-vermeidende Part regt sich permanent darüber auf, dass das Gegenüber zu viel Nähe will
-der unsicher-ambivalente Gefährte hat immer Angst, sein Partner würde ihn aus heiterem Himmel verlassen, sobald nicht ein hohes Maß an Nähe vorherrscht.
Und jetzt stelle man sich einmal eine Beziehung vor, in der mindestens einer der beiden unsicher gestrickt ist, entweder ambivalent oder vermeidend. Wie viele Abende streitet man über das “richtige” Maß an Nähe und Distanz? Viele Stunden an Lebenszeit verlaufen gelinde gesagt unglücklich, und das eigentliche Dilemma - die eigene Prägung - dabei: dauerhaft unklar. Ein entsprechendes Aha Erlebnis wäre sehr hilfreich: Der Betreffende würde erkennen, dass das “Problem” (und natürlich die Lösung des Problems) nicht ausschließlich nur beim Anderen liegt.
