Sie sind nicht angemeldet.


1

Montag, 9. Mai 2011, 22:51

doppelmoral?

ich habe über dieses thema lange nachgedacht.....

ist es nicht so, häufig sucht man ausreden für sich selber und auch für andere. man macht dinge obwohl die resonanz eine ganz andere ist und man es einfach nicht sehen will. man sucht richtig nur um ein wenig kraft und hoffnung zu schöpfen um weiter machen zu können, für den menschen, für den das eigene herz schlägt? ist es richtig so und ist das nicht irgendwo eine gewisse doppelmoral? ist das nicht auch zum teil eine flucht um es einfach nicht sehen zu müssen?

ich weiß nicht recht, was ist es eigentlich sonst? man macht vieles, schenkt sein herz, der andere weiß das alles nur nimmt vieles in kauf. man findet immer kleine ansatzpunkte um weiter zu machen, ein kleiner funke..... ist das nicht doppelmoral? sollte man wirklich einem anderen menschen nachtrauern oder um ihn kämpfen der das alles billigend in kauf nimmt? ich weiß es nicht....... es ist schon schwierig so etwas objektive zu betrachten wenn man selber in einer solchen situation ist... irgendwie finde ich es nachwievor so, der schmerz der einem durch so etwas zugefügt wird, ist wirklich das letzte und man kann es auch nicht schön reden, trotzdem macht man es, man findet ausreden für sich und den anderen. ist das nicht doppelmoral?

eure meinung würde mich dazu interessieren.

Chris35

unregistriert

2

Dienstag, 10. Mai 2011, 00:31

Hi Dragrom,

Ich weiß nicht, der Begriff "Doppelmoral" bezeichnet für mich eigentlich eine Grundeinstellung bei manchen Menschen. Solche verlangen von anderen eine bestimmte Handlungsweise, fühlen sich selbst aber nicht verpflichtet danach zu handeln. Als Beispiel könnte man da den eifersüchtigen Mann nehmen, der jeden Umgang seiner Frau mißtrauisch beäugt, selbst aber jedem Rock hinterherpfeift.

Wenn ich das richtig verstehe, stellst du eher die Frage "Warum kämpfe ich um meinen Partner, obwohl mir mein Verstand etwas anderes rät?" Ich denke das ist keine Frage der Moral, sondern eine des Gefühls.

Nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist ( also nach der Trennung ) kommt dann die Frage auf "Warum hat mein Partner zugelassen, daß ich so lange um die Beziehung kämpfe?" Hier denke ich schon, daß es was mit Moral zu tun hat, ist bei vielen Ex-Partnern oft Bequemlichkeit und die Unfähigkeit bzw. der Unwille sich mit der eigenen Gefühlswelt auseinander zu setzen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Gleichzeitig wird auch versucht den Status Quo in der Beziehung aufrecht zu halten ( hier meine ich Aussagen wie "klar hab ich dich noch lieb" aber gehandelt wird eigentlich gegenteilig ).

Ob man über dieses Verhalten den Begriff Doppelmoral schreiben kann, da bin ich mir nicht sicher, weils auch immer eine sehr emotionale Kiste ist (eigentlich bei beiden Parteien) und Emotionen und moralische Ansichten sehr schwer miteinander verknüpft werden können. Emotionen sind etwas sehr persönliches, während moralische Ansichten sich eigentlich aus größeren gesellschaftlichen Strukturen herausbilden. Ist es z.B. moralisch verwerflich, wenn ein 70jähriger sich eine 20jährige Freundin anlacht? Die Allgemeinheit wird wohl meinen "irgendwie schon" (moralischer Aspekt), während die beiden vlt. tatsächlich ineinander verliebt sind (emotionaler Aspekt).

Ein sehr interressantes Thema hast du da angeschnitten, bin mal gespannt auf andere Ansichten.

LG Chris

Frenchie82

unregistriert

3

Dienstag, 10. Mai 2011, 07:51

Hallöchen,

also für mich hat der Begriff "Doppelmoral" auch eine andere Bedeutung; ist z.B. dass Herr Meier einen auf braven Katholik und liebenden Ehemann macht, fleißig sonntags seine Stunden in der Kirche verbringt und dann aber gleichzeitig seine Frau betrügt oder irgendwie Sextourist auf Thailand ist. Doppelmoral heißt für mich nach außen etwas darstellen und präsentieren, was den gesellschaftlichen Normen entspricht, und im Geheimen dann ganz andere Dinge abzieht, die oft jenseits der Grenze des durch die Gesellschaft Tolerierbaren sind.
Das, was du meinst, dragrom, ist für mich eher die Frage, warum Menschen nicht den freien Willen anderer Menschen akzeptieren bzw. nicht allein sein können. Warum klammern sich so viele Menschen an Ex-Partner, die sie schlecht behandel( t habe)n? Wieso will ich um so jemanden kämpfen? Meiner Meinung nach, weil sie sich selbst nicht genügen. Darüber schrieb schon der gute alte Platon ("Phaidros" , "Politeia").
Vieles liegt wohl auch in der Erziehung, denn heutzutage wird ja nicht mehr erzogen, sondern man lässt die Kinder einfach mal machen und interveniert, wenns brennt. Es werden doch kaum noch Werte vermittelt. Ich gehöre zu den Glückspilzen und habe eine gute Erziehung genossen, die weder antiautoritär noch extrem autoritär war, meine Brüder & ich wurden niemals geschlagen, und ja, es herrschte einfach Respekt. Und mir-uns wurden einfach gewisse Prinzipien und Werte vermittelt, ob ich die alle gut fand, hm, sei dahingestellt, doch es hat mich selbst zum Nachdenken gebracht und ich denke, ich hab heute da meine eigenen Werte und Prinzipien entwickelt, die im Endeffekt gar nicht sooo weit von denen meiner Eltern entfernt sind.
Und wir wissen alle, dass Kinder am Modell, am Beispiel ihrer Eltern, lernen. Wenn jetzt niemand gelernt hat "Hey, ich bin ein wertvoller Mensch und niemand hat das Recht, mich schlecht zu behandeln oder zu beschimpfen!", dann ist das wohl auch genau so jemand, der einem aggressiven, überlaunischen Partner hinterherrennt. Man blendet dann aus, "denkt" an das Gute (ich sag hier immer, sie verlieren sich in ihren Phantasieschlössern) und argumentiert so für sich und für die anderen. Dass das absoluter Schwachsinn ist, sehen sie erst viel später.
Und hier werden vor allem durch Jüngere meine Argumente von wegen freier Wille belächelt, dann kommt "Ja, aber wenn ich sie/ihn liebe, dann kann ich doch um sie kämpfen!" à la "Er/ sie war doch nur kurzfristig geistig umnachtet und das war alles ein Missverständnis." - Das mag vielleicht bei 1% aller Fälle sein, doch bei 99% aller Fälle wohl nicht. Ein Nein ist ein Nein und wenn sich jemand gegen mich entscheidet, dann hab ich das doch auch IRGENDWIE zu respektieren. Mensch. Wenn ich mich erinnere, wie viele Typen ich einfach so beim Weggehen kennengelernt habe, war vielleicht mit denen 3-4 Wochen unterwegs, Kennenlernphase, und ich merkte einfach, es funkt nicht, hab das direkt angesprochen und reinen Tisch gemacht. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass die alle den Kampf des Jahrhunderts um mich gemacht hätten, hey Leute, versetzt euch doch mal in so eine Lage!! Für mich ist das keinen Respekt der anderen Person gegenüber haben, sondern alles, was zählt, ist Ego, Ego, Ego. Denn auch wenns esoterisch-philosophisch klingt, doch wenn es echte, wahre Liebe wäre, dann würde man eine andere Person gehen lassen. Ist es aber in dem Moment nicht, sondern ein reines Machtspielchen, auch wenn das niemand hier zugeben mag. Und das aus irgendwelchen niederen Gründen: och, war ja so bequem in der alten Beziehung, och, der Sex war ja ganz gut, Mensch, kochen und so konnte die auch noch, oh ja, wir hatten zwar keine Gemeinsamkeiten, hingen aber fast 24h aneinander, dann bin ich zumindest nicht alleine, ja und die gemeinsamen Urlaube, mit wem soll ich denn jetzt in Urlaub fahren, naja ach menno, wir hatten ja denselben Freundeskreis, das machts jetzt vielleicht komplizierter...
Wie gesagt, MEINE Meinung, doch im Endeffekt ist es das, was man in all diesen Geschichten hört /liest. Dass der andere einfach nicht mehr kann/ will, spielt keine Rolle, weil ICH ICH ICH will ja und kann ja nicht und ICH liebe ihn ja...Es geht nur ums Haben.
Und anstatt dass sich die Menschen mal Gedanken machen in ihrer berühmten Beziehungspause, WER bin ich, WAS will ich, grübeln sie darum, WIE sie den Partner XY zurückbekommen könnten. Och Rosen oder Gedichte oder sowas. Als ob SOWAS eine kaputte Beziehung kitten könnte. Und da versteh ich auch nicht, wieso die Menschen Angst vor diesen Fragen: WER und WAS haben. Ich denke, jeder von uns hat das für sich BESTE verdient, soll und darf glücklich sein, da muss er doch auch wissen, WAS ihn glücklich macht: ist das jemand, der nie da ist, der einfach brutal viel Freiheit braucht, während ich einfach ein sehr nähebedürftiger Mensch bin? Wieso kann sich DAS z.B. niemand eingestehen? Er/ sie möchte keine Kinder, aber ich möchte UNBEDINGT welche ,aber ok, dann verzichte ich darauf, weil ich liebe ihn/sie nun mal. Und mit Mitte-Ende 30 beginnt die große Misere. Von Anfang an ehrlich und aufrichtig sein und sagen "Ok, wir können jetzt zwar ein paar schöne Jahre haben, doch früher oder später kommt der Punkt, wo wir uns trennen müssen, weil es in dieser Kindersache keinen Kompromiss gibt: entweder man will welche oder nicht." Könnt ich noch zig andere Beispiele aufführen.
Aber da gehts wohl auch wieder ums Haben. Denn wenn man auf sich und sein Innerstes hören würde, dann wüsste man eigentlich, was einen später erwartet. Aber egal, besser als allein sein.
Das sind einige meiner Beobachtungen und Meinungen zu diesem Thema und sorry, wenn ich teilweise etwas ausuferte, aber das haben wir Zwillinge nun mal so an sich :D

Thema bewerten
Bookmark and Share