Bei meinen 27 Lenzen hatte ich bisher eine einzige feste Freundin, bin nun aber schon wieder seit gut 5 Jahren Single und bekam in dieser Zeit nur Körbe, wenn ich es über mich gebracht habe, meine Gefühle zu gestehen. Ich bin einsam und fühle mich leer, sehne mich nach mehr als nur platonischer Liebe.
Es ist nicht so, dass ich nicht mit meinen Mitmenschen kommunizieren könnte. Ich kenne meine Freunde, weiss von gemeinsamen Erlebnissen und Interessen, kann auf Grund dessen auch Gespräche anregen. Ich bin eher ein ruhiger, zurückhaltend wirkender Typ, aber wenn ich mich in einer Gesellschaft wohl fühle, taue ich auf.
Auch mit mir weniger (oder gar gänzlich un-) bekannten Personen kann ich mich gelegentlich gut unterhalten, in diesen Situationen bin aber doch meist abhängig vom Input meines Gegenübers.
Es würde mir allerdings nie in den Sinn kommen, einfach so auf einen wildfremden Menschen zuzugehen und diesen anzusprechen. Ich habe zwar kein Problem damit, eine Frau anzulächeln, wenn sie mir gefällt, aber selbst wenn diese mit einem engelhaften Lächeln erwidert, bringe ich es nicht über mich, den nächsten Schritt zu wagen. Was soll ich auch sagen?
Nun, ich empfinde das ganze nicht als allzu tragisch, das Leben bietet zahlreiche Chancen, um Vertreterinnen des schöneren Geschlechts kennen zu lernen, das Ansprechen kann umgangen werden, Geschpräche ergeben sich auch so. Doch das Problem liegt tiefer. Sobald ich beginne, mich für eine Frau zu interessieren und die ersten Gefühle von Verliebtheit sich breit machen, ist es vorbei mit der Lockerheit, ich verkrampfe innerlich. Der Humor geht flöten, zurück bleibt ein Typ, der aus Angst, zu langweilen, lieber gar nichts sagt und einfach versucht, nett zu sein und zuzuhören. Ich fühle mich uninteressant und werde zum Langweiler. Ich hasse mich dafür.
Manchmal wünschte ich mir, mehr ein Arschloch zu sein, egoistischer, weniger Respekt gegenüber den Damen zu haben (welcher Macho hat schon meine Probleme?), so auch jetzt wieder, im Falle einer aktuellen Mitbewohnerin unserer WG. Ob Nacht, Gewitter oder Hagelsturm, in ihrer Gegenwart scheint für mich die Sonne, es hat nicht lange gedauert, bis ich Hals über Kopf in sie verliebt war. Ein genialer Mensch, lustig und lebensfroh, charismatisch und zielstrebig. Ausserdem sehr offen, was sich schon kurz nach ihrem Ankommen hier gezeigt hatte, als sie mir (als damals fast völlig Unbekannter) von ihrer kürzlich zerbrochenen Beziehung erzählte. Sie hat darunter gelitten und gemeint, sie hätte vorläufig die Nase voll von der Männerwelt. Ich bin so schon viel zu passiv, wenns ums andere Geschlecht geht, solche Aussagen helfen da natürlich auch nicht weiter. Und schlussendlich will ich ihr ja nicht auf den Wecker gehen.
Ihr Austauschsemester ist in rund zwei Monaten zu Ende, und ich habe noch immer nicht den Zeitpunkt (und den Mut) gefunden, sie über mein Gefühlsleben aufzuklären. Ihr Leben hält ja nicht für mich an. Meist ist sie weg, und wenn sie mal zu Hause ist, hat sie meistens Besuch ihrer Freundinnen, oder sie lernt für die Uni. Und es liegt mir fern, sie dabei zu stören. Sie hat ja auch gesagt, sie liebe es, frei zu sein und nicht bedrängt zu werden.
Ihr bezauberndes Lächeln schwebt Tag und Nacht vor meinem geistigen Auge, doch ich weiss nicht, wie ich was tun soll. Stattdessen fresse ich meinen Frust in mich hinein und betrinke mich auch mal des öfteren (allein). Sehr hilfreich.
Ich glaube nicht daran, bei ihr ne Chance zu haben, ich weiss aber auch, dass ich Frauen nicht verstehe und meinem Urteil nicht unbedingt trauen sollte...... wobei, wenn sie interesse an mir hätte, würde sie sich nicht verfügbarer geben? Ausserdem kennt sie ja eigentlich nicht mich, sondern nur den Waschlappen, zu dem ich in diesen Situationen verkomme, abgesehen von ganz am Anfang, als ich noch vernünftig mit ihr reden konnte.
Mit Körben kann ich (glaub ich zumindest) leben, von dem her hätte ich nix zu verlieren. Ich will aber nicht, dass sie sich wegen mir unwohl fühlt in unserer Wohnung. Ausserdem ist ihr Aufenthalt hier begrenzt, ich könnte in wenigen wochen anfangen, sie zu vergessen versuchen.
Alles Scheisse hier, ich weiss nicht, wie ich mich verhalten soll.